Reise nach Myanmar 15.11. bis 12.12.2008


Im Rahmen der Unterstützung von Gesundheitsprojekten in Myanmar ( Burma ) durch die Firma romwell in Ellerau reisten im November und Dezember 2008 Wolfgang Schilling, Mitarbeiter und Gesellschafter der Firma romwell, und seine Frau, die Internistin und Allgemeinmedizinerin Dr. Usch Scheben-Winkelhog, in das südostasiatische Land. Seit mehr als 30 Jahren widmet Frau Scheben einen großen Teil Ihres Urlaubs der ehrenamtlichen medizinische Tätigkeit in Ländern der Dritten Welt. Nachfolgend ihr Bericht:



Im Vordergrund unsere Reise nach Myanmar stand der Besuch, der von romwell bzw. vom Verein "Hilfe für Entwicklungsländer - action myanmar" unterstützen Projekte am Inle-Lake (Shan-State) und in Thandwe/Ngapali (Golf von Bengalen). Ziel war es, die Projekte persönlich kennen zu lernen und eventuell den Einsatz der Spenden zu optimieren.

Der malerisch gelegene Inle-Lake ist mit 116 qkm der zweitgrößte See Myanmars. An seinen Ufern leben hauptsächlich Mitglieder der Ethnien der Intha, Pa-O und Bamar. Haupterwerbsquelle sind der Anbau von Gemüse auf den schwimmenden Gärten ( Hauptfrucht Tomaten ) und der Fischfang. Die schwimmenden Gärten und die Einbeinruderer der Intha sind seit einigen Jahren eine Attraktion für den zunehmenden Tourismus.

Die Metta-Klinik liegt etwas 1 Stunde Bootsfahrt von Nyaung Shwe entfernt. Ein gutes Dutzend Mitarbeiter versorgt bis zu 100 Patienten am Tag. Jetzt - in der kühlsten Zeit des Jahres - sind es vordringlich Erkältungskrankheiten. Weitere Krankheitsschwerpunkte sind Malaria, Knochenfrakturen und Hauterkrankungen. Auffällig sind die vielen Krebsfälle.
Gemeinsam mit den einheimischen Ärzten wurden Sprechstunden abgehalten. Im Vordergrund stand dabei Beratung und Wissenstransfer auf dem medizinischen Sektor. Ein besonderer Schwerpunkt bildete die Unterweisung im Umgang mit dem seit einigen Monaten vorhandenen Ultraschallgerät, das bisher von den einheimischen Ärzten nicht bedient werden kann. Durch die unterbrochene Kommunikation mit dem westlichen Ausland stagniert die medizinische Ausbildung im Lande und bewegt sich nicht auf internationalem Niveau. Dies wird aber durch das große Engagement und Interesse der lokalen Ärzte aufgefangen. Im Gegensatz zu staatlichen Kliniken auf dem Lande ist die Betreuung in der Metta-Klinik ausgesprochen gut. Wir hatten wichtige Medikamente für die Metta-Klinik mitgebracht. Zwei weitere Ambulanzen in der Nähe des Sees wurden ebenfalls besucht und mit Medikamenten versorgt. Bemerkenswert war ein Besuch eines Waisenhauses, in dem 250 Vollwaisen und 250 Schülern von buddhistischen Mönchen betreut werden. Die große Enge in den Unterkünften, die extremen klimatischen Bedingungen insbesondere in den Monsunmonaten und die personelle Unterversorgung haben zur Folge, dass es zu besonders vielen Hauterkrankungen kommt. Eine Verbesserung der Hygiene würde Abhilfe schaffen. Aus diesem Grund kauften wir eine große Waschmaschine und einen Wäschetümmler.

Der Abschied von der Metta-Klinik war voller Wärme und fiel beiden Seiten schwer. Mit der Zusage im kommenden Jahr zurückzukehren, verließen wir den Inle-Lake.

Das zweite von romwell unterstützte Projekt liegt in Ngapali, einem Fischerdorf am Golf von Bengalen. Neben dem wachsenden Tourismus spielt der Fischfang die größte wirtschaftliche Rolle. Allein in der Bucht des Dorfes fahren nachts rund 200 Boote auf Fischfang. Mit starken Scheinwerfern werden große Mengen kleiner Fische angelockt und mit Netzen gefangen. Die Fische werden auf den Stränden getrocknet und als Hühnerfutter nach China verkauft. Längerfristig ein ökologisch und ökonomisch riskant zu bewertendes Unterfangen.

In der kleinen Ambulanz, nur 2 Gehminuten vom tropischen Strand entfernt, arbeitet ein einheimischer Arzt mit 2 Schwestern und einer Assistentin. Täglich werden bis zu 80 Patienten betreut. Neben den saisonalen Erkältungskrankheiten stehen Haut- und Lungenerkrankungen an erster Stelle. Aber auch Bluthochdruck, Malaria, Frakturen und internistische Fälle sind häufig. Wie am Inle-Lake spielte die Einführung im Umgang mit dem Ultraschallgerät eine wichtige Rolle und wurde täglich im Rahmen der Sprechstunden von Dr. Scheben praktiziert. Die kleine Klinik ist sehr gut organisiert, ausländische Ärzte werden problemlos in die Arbeit integriert.

An zwei Tagen besuchten wir eine weitere erst 2008 fertig gestellte Ambulanz. Nach einer Stunde Bootsfahrt wurden wir freundlichen durch einige ältere Dorfbewohner bei Tee und Kaffee begrüßt. Danach wurde die gut organisierte Sprechstunde abgehalten. Die Patienten, die zuvor über die Termine informiert wurden, kommen aus der ganzen Region. Mehrere Patienten mit schweren Erkrankungen wurden zur weiteren Behandlung nach Yangon vermittelt. Insgesamt wurden an beiden Tagen mehr als 140 Patienten versorgt.

Auch in Ngapali fiel der Abschied von den Mitarbeitern schwer. Der nächste deutsche Arzt wird Dr. Heller sein, der Ende Februar nach Myanmar reist. Wir versprachen zur Jahreswende 2009/10 zurückzukehren.

Unsere Reiseerfahrungen - auch aus anderen Ländern der Dritten Welt - bekräftigt die Richtigkeit der Entscheidung, dass romwell durch regelmäßige Spenden private Gesundheitsprojekte in Myanmar unterstützt. Neben der Versorgung mit Medikamenten, der Finanzierung von Krankentransporten in große, leistungsfähige Krankenhäuser und die damit verbundene Versorgung, ist der Aufenthalt von Ärzten aus Europa der wichtigste Bereich. Durch den damit einhergehende Wissenstransfer kann mittelfristig das heute vorhandene Defizit im fachlichen Bereich abgebaut werden.

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